Interviews: Einblick in die Kunst der Gesprächsführung

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    Interviews sind eine der bedeutendsten und vielseitigsten Formen der Kommunikation, sei es in der Medienlandschaft, im Beruf oder in der Forschung. Sie bieten die Möglichkeit, Informationen zu sammeln, Menschen besser zu verstehen und tiefere Einblicke in ein Thema zu gewinnen. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach, was Interviews ausmacht, welche verschiedenen Interviewformen es gibt und welche Bedeutung sie in verschiedenen Bereichen haben.

    Was ist ein Interview?

    Ein Interview ist ein strukturiertes Gespräch zwischen zwei oder mehreren Personen, bei dem der Interviewer gezielte Fragen stellt, um Informationen zu erhalten. Der Interviewte gibt Auskunft über bestimmte Themen, sei es zu beruflichen, persönlichen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Aspekten. Interviews sind in vielen Bereichen ein zentrales Element, von Journalismus über Personalwesen bis hin zu wissenschaftlichen Untersuchungen.

    Im Wesentlichen dient das Interview dazu, Wissen, Erfahrungen, Meinungen oder Informationen zu sammeln, die für den Interviewer oder die Öffentlichkeit von Interesse sind. Interviews können face-to-face, telefonisch oder auch per Videokonferenz durchgeführt werden.

    Die verschiedenen Arten von Interviews

    Je nach Zielsetzung und Kontext gibt es unterschiedliche Arten von Interviews. Hier sind die bekanntesten Formen:

    1. Das strukturierte Interview: Beim strukturierten Interview folgen die Fragen einer festen Reihenfolge, und der Interviewer stellt den gleichen Fragenkatalog jedem Interviewten. Diese Form wird häufig in der Personalrekrutierung oder in wissenschaftlichen Studien verwendet, da sie eine hohe Vergleichbarkeit und Objektivität der Antworten ermöglicht. Das strukturierte Interview ist stark formalisiert und lässt wenig Raum für spontane oder tiefergehende Gespräche.

    2. Das unstrukturierte Interview: Im Gegensatz zum strukturierten Interview ist das unstrukturierte Interview viel freier. Der Interviewer hat zwar eine grobe Vorstellung vom Thema, lässt aber Raum für spontane Gespräche und flexibel gestellte Fragen. Diese Form wird oft in qualitativen Forschungskontexten oder in journalistischen Interviews verwendet, um einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt des Interviewten zu gewinnen. Der Nachteil ist, dass die Vergleichbarkeit der Antworten schwieriger ist.

    3. Das halbstrukturierte Interview: Das halbstrukturierte Interview kombiniert Elemente des strukturierten und des unstrukturierten Interviews. Der Interviewer hat einen vorgegebenen Fragenkatalog, kann aber flexibel auf die Antworten des Interviewten eingehen und die Diskussion in andere Richtungen lenken. Diese Art von Interview ist besonders in der qualitativen Forschung oder bei Experteninterviews üblich, da sie eine gewisse Kontrolle ermöglicht, gleichzeitig aber auch Raum für interessante, unerwartete Einblicke lässt.

    4. Das Telefoninterview: Telefoninterviews sind eine verbreitete Methode, um Informationen von einer Person zu erhalten, ohne diese persönlich treffen zu müssen. Sie sind kostengünstig und zeitsparend und ermöglichen es, Interviews über weite Entfernungen hinweg zu führen. Sie sind jedoch weniger intim als persönliche Gespräche und können aufgrund fehlender non-verbaler Kommunikation zu Missverständnissen führen.

    5. Das Gruppeninterview: Beim Gruppeninterview werden mehrere Kandidaten gleichzeitig befragt. Diese Form wird häufig in Auswahlverfahren von Unternehmen eingesetzt, um die Dynamik zwischen den Bewerbern zu beobachten. Auch in Fokusgruppen, die oft in der Marktforschung genutzt werden, kommen Gruppeninterviews zum Einsatz. Sie ermöglichen es, verschiedene Perspektiven auf ein Thema zu erhalten und die Interaktion zwischen den Teilnehmern zu beobachten.

    6. Das investigativen Interview: Diese Form des Interviews wird häufig im Journalismus verwendet, insbesondere bei der Recherche zu sensiblen Themen oder bei der Aufdeckung von Skandalen. Der Interviewer geht sehr gezielt und tief in seine Fragen und versucht, oft schwierige oder verdeckte Informationen zu erhalten. Es erfordert ein hohes Maß an Empathie, Geduld und Fingerspitzengefühl, um das Vertrauen des Interviewten zu gewinnen und gleichzeitig wichtige Informationen zu extrahieren.

    Das Interview im Journalismus

    Im Journalismus ist das Interview ein wichtiges Werkzeug, um Geschichten zu erzählen, Fakten zu überprüfen und Meinungen zu sammeln. Journalisten nutzen Interviews, um Meinungen von Experten oder Betroffenen einzuholen und die Perspektiven der Öffentlichkeit widerzuspiegeln. In dieser Form geht es nicht nur darum, Fakten zu sammeln, sondern auch darum, eine Erzählung zu entwickeln, die für die Leser von Interesse ist.

    Die Kunst des Journalisteninterviews besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen, den Gesprächspartner zu lenken und trotzdem genügend Raum für ehrliche und aufschlussreiche Antworten zu lassen. Besonders investigative Journalisten müssen oft tief bohren, um versteckte Wahrheiten ans Licht zu bringen. Ein bekanntes Beispiel für solch ein Interview ist das legendäre Interview von Bob Woodward und Carl Bernstein mit dem Whistleblower „Deep Throat“ während der Watergate-Affäre.

    Interviews im Personalwesen

    Im Personalwesen sind Interviews ein entscheidender Bestandteil des Auswahlprozesses. Hier wird das Interview genutzt, um Kandidaten zu beurteilen und festzustellen, ob ihre Qualifikationen und ihre Persönlichkeit zu den Anforderungen der Stelle und zur Unternehmenskultur passen. In der Regel kommen sowohl strukturierte als auch halbstrukturierte Interviews zum Einsatz, um die Eignung des Bewerbers zu testen.

    Neben der fachlichen Qualifikation spielt auch die zwischenmenschliche Kompetenz eine große Rolle, sodass die Interviewer gezielt Fragen stellen, um herauszufinden, wie der Kandidat mit Herausforderungen umgeht oder wie er in einem Team arbeitet. Auch hier geht es um mehr als nur eine bloße Faktenabfrage – die Interviewer wollen ein Gefühl für die Persönlichkeit des Bewerbers entwickeln.

    Interviews in der Wissenschaft

    In der wissenschaftlichen Forschung werden Interviews oft als qualitative Methode eingesetzt, um tiefere Einsichten in komplexe Phänomene zu gewinnen. Besonders in den Sozialwissenschaften, der Psychologie oder der Anthropologie werden Interviews verwendet, um Erfahrungen, Sichtweisen und Gefühle von Probanden zu erfassen.

    Wissenschaftliche Interviews sind oft halbstrukturiert, um sowohl die Flexibilität für individuelle Antworten als auch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten. Die Daten aus den Interviews werden dann analysiert und interpretiert, um neue Theorien oder Erkenntnisse zu entwickeln.

    Die Rolle der Körpersprache im Interview

    Auch wenn Interviews in erster Linie verbal geführt werden, spielt die Körpersprache eine entscheidende Rolle. Der Interviewer achtet auf non-verbale Signale wie Mimik, Gestik und Körperhaltung, die oft mehr über den Interviewten verraten als Worte. In einem persönlichen Interview kann diese non-verbale Kommunikation sogar eine tiefergehende Einschätzung ermöglichen. Zum Beispiel kann Nervosität durch zitternde Hände oder Augenkontakt-Angst angezeigt werden.

    Ein gutes Interview erfordert nicht nur das richtige Set an Fragen, sondern auch die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu hören und auf subtile Körpersignale zu achten, die die Stimmung oder die Wahrhaftigkeit der Aussagen widerspiegeln.

    Die Bedeutung von Vorbereitung und Nachbereitung

    Ein erfolgreiches Interview erfordert sowohl eine gründliche Vorbereitung als auch eine sorgfältige Nachbereitung. Der Interviewer sollte sich im Vorfeld gut über den Interviewten und das Thema informieren, um gezielte und relevante Fragen stellen zu können. Ebenso wichtig ist es, im Gespräch aufmerksam zuzuhören und die richtigen Schlüsselmomente zu erkennen, auf die man weiter eingehen kann.

    Nach dem Interview ist eine strukturierte Auswertung notwendig, um die gesammelten Informationen zu ordnen und für die gewünschte Verwendung (z. B. für einen Artikel oder eine Entscheidungsfindung im Personalwesen) aufzubereiten.

    Fazit: Interviews als Schlüssel zur Kommunikation

    Interviews sind ein unverzichtbares Mittel der Kommunikation, das in vielen Bereichen der Gesellschaft und der Medien eine zentrale Rolle spielt. Sie ermöglichen es, Wissen und Erfahrungen auszutauschen, die Sichtweisen von Experten und Betroffenen zu hören und tiefere Einblicke in ein Thema zu gewinnen. Ob in der Forschung, im Journalismus oder in der Personalrekrutierung – Interviews bieten eine Plattform, auf der wichtige Informationen gesammelt und weitergegeben werden. Der Erfolg eines Interviews hängt dabei von der Kunst der Gesprächsführung ab, die sowohl fachliches Wissen als auch Empathie und Beobachtungsgabe erfordert.